Sven Herold Visual Storyteller | TV Media, Corporate Brand and Communications Executive | CEO LiveTube

TV 3.0 – article on CP Wissen (German only)

CP Wissen just published my commentary about TV 3.0 and how the new market developments affect the broadcast industry and companies. Read also, why global players like Google and Apple will be the TV networks of tomorrow.

Link to shortened article on CP Wissen (German only)http://www.cpwissen.de/artikel/items/unternehmen-die-fernsehanbieter-von-morgen.html

Original article in German

TV 3.0 – Unternehmen, die Fernsehanbieter von morgen?

Von: Sven Herold

Wie sieht die Fernsehlandschaft in fünf Jahren aus? TV Geräte haben von Hause aus einen eingebauten Internetanschluss. Schon heute werden viele der neueren Modelle mit einem YouTube Player oder sogar ganz offenem Zugang zum WWW offeriert. Klar dass die Bedienung dann direkt per Fingerdruck auf dem Bildschirm funktioniert – ähnlich wie beim I-Pad. Darüber hinaus bieten sich mit rollbaren Organic Liquid Displays (OLED) weitere völlig neue Anwendungsmöglichkeiten – das Fernsehen zum Mitnehmen. Dabei sind dann die Bildschirme kein Mäusekino mehr, sondern erlauben wahres Kinovergnügen beim Picknick im Grünen, der ausgerollte Bildschirm hängt am Dachgepäckträger. Keine Spinnerei – Sony hat einen solchen Prototypen gerade Ende Mai auf der weltgrößten Displaymesse, der SID (Society for Information Display) in Seattle präsentiert. (Link mit Video: http://www.sony.net/SonyInfo/News/Press/201005/10-070E/index.html)

Diese rasante Entwicklung der Technik wird nicht nur den Fernseh- sondern den gesamten Medienmarkt völlig verändern. Kabel und Satellit als Programmspeisungsquelle werden obsolet oder nur noch als Zusatzquelle nötig sein. Damit verlieren die Sender ihre Monopolstellung, die lineare Programmstruktur bricht – nicht mehr der Sender schreibt eine Programmfolge vor sondern der Zuschauer bestimmt, wann er seine Inhalte sehen will. Zudem wird regionaler Inhalt lokaler – gleichzeitig nationaler Inhalt globaler. Durch die mobile Ausweitung von Videoangeboten werden gedruckte Medien weiter verdrängt – im Onlinebereich wird zusätzlicher Videocontent bei Geschichten und Nachrichten obligatorisch. Den Medienmarkt erwartet eine Überflutung mit audio-visuellem Content, die Nachfrage nach guten Bewegtbildangeboten wird weiter gewaltig steigen.

Viele Kritiker sagen, dass der Medienrezipient einfach gestrickt ist und an Gewohnheiten festhält. Dies wird oft als Begründung für eine Beibehaltung der linearen Programmangebote genannt. Man wolle eben seinen Tatort sonntags um 20.15 Uhr sehen. Vor allem in Deutschland wird auch immer gerne auf das „Relevant Set“ verwiesen. Sechs Sender, auf die die Hauptnutzung des Zuschauers entfällt. Es geht also künftig vor allem darum, wie die vielen neuen Inhalte angeboten und strukturiert werden.

Nicht ohne Grund hat vor einigen Wochen Google die neue Abteilung Google TV in New York ins Leben gerufen. (Testseite http://nowmov.com) Auch Apple arbeitet intensiv an einer eigenen Fernsehdivision. Denn wer der Herrscher über den sogenannten EPG (electronic program guide) ist, wird künftig das Sagen haben in den Wohnzimmern und auf den mobilen Abspielgeräten. Elektronische Verfahren, die dem Zuschauer nach seinen Interessen und Vorstellung automatisch ein Programm zusammenstellen. Ob dann die Bundesliga live bei Sky läuft oder auf YouTube, ist dem Kunden sicher gänzlich egal. Dass auch dies keine Vision mehr ist, zeigt YouTube mit den Liverechten am indischen Cricket, Yahoo hat Teilrechte an der  Premier League und strahlt kostenfreie Spielberichte aus. Nach Angaben von YouTube hat das Live Cricket Angebot in nur 45 Tagen über 55 Millionen Zuschauer aus 200 Ländern erreicht.

Cricket on YouTube:
http://www.youtube.com/user/IPL

Premiere League on Yahoo:
http://uk.eurosport.yahoo.com/football/premier-league/

Eine globale Ausstrahlungsplattform im Wohnzimmer, die gleichzeitig aber auch sehr lokale Inhalte anbieten kann – das ist der Charme, den die neue Technik mit sich bringt. Stadtfeste per Live-Stream, „American Idol“ zukünftig als „World-Idol“, und „Wer wird Millionär“ über YouTube – weiter produziert von Jauch’s Produktionsfirma I&U, aber mit deutschsprachigem weltweitem Sendegebiet. Darauf angesprochen wiegelten viele bekannte TV Manager mir gegenüber bei solchen Visionen ab. Zu sehr sei die Cross-Promotion bei derartigen Unterhaltungsformaten notwendig, heißt es immer wieder. Aber auf kurze Sicht werden sich auch die etablierten Sender nicht gegen Großmächte wie YouTube oder Apple zur Wehr setzen können. Dies schon alleine deswegen, weil ihnen die treuen älteren Zuschauer wegsterben und die junge Generation längst mit dem Web auf „Du und Du“ ist und schon heute ARD, ZDF, ORF und BBC den Rücken kehrt. Einzig bei Nachrichten bedarf es der Einordnung durch unabhängige professionelle Journalisten und das quer durch alle Zielgruppen, und hier bleiben die Sender sicher auch in der „neuen Welt“ mit einem Fuß in der Tür.

Alle Beteiligten im Produktionsprozess müssen sich auf die neuen Herausforderungen einstellen, das gilt für Sender genauso wie für Unternehmen. Und um es klarzustellen, es geht hier nicht darum die bisherige TV Landschaft zu kritisieren, sondern vielmehr aufzuzeigen, wie die technischen Entwicklungen das Fernsehen verändern wird und wie neue Player in den Markt kommen werden und können.  Gefragt sind allem voran gute Inhalte – „content comes first“. Das gilt umso mehr in der neuen globalen Angebotsvielfalt. Semi-professionelle Produktionen, Flip-Cam Reportagen und reine Video-Interviewstrecken werden den Markt bereichern, vor allem bei ungewöhnlichen, einzigartigen,  witzigen oder spontanen Inhalten,  aber sie werden nur in Ausnahmefällen die große Masse erreichen. Storytelling wird immer wichtiger, Fernsehen und Filme gemacht von Profis – Emotionen, Menschen und interessante Geschichten bleiben  neben Grossevents oder Live-Shows der Schlüssel zur Reichweite in der Zielgruppe und damit zum Erfolg. Neben „content comes first“ gilt immer auch „guter Content findet seinen Zuschauer“ – egal über welche Plattform.

Bei SAP spielt Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation eine große Rolle, und wir haben bereits vor zwei Jahren den Bereich neu ausgerichtet, um den neuen Gegebenheiten gerecht zu werden und die sich öffnenden Kanäle bestmöglich für die audiovisuelle Kommunikation zu nutzen. Live-Übertragungen aller relevanten Veranstaltungen gehören bei uns zum Tagesgeschäft, die meisten auch extern und per Satellit. Als eines der einzigen Unternehmen weltweit verfügt SAP über ein eigenes weltweites Korrespondentennetz aus TV Journalisten. Journalistische Aufbereitung der Themen steht im Vordergrund – keine PR-Phrasen. Und schon hier dürfte unser Unternehmen vielen Sendern etwas voraus haben. Nicht nur dass die TV Abteilung aus ehemaligen TV Redakteuren besteht, wir arbeiten mit freien lokalen Reportern in unseren Kernmärkten, US Reporter von CNN, eine chinesische Reporterin von CCTV, freie Kollegen von ARD und ZDF, aber auch TV Journalisten in Brasilien, Russland und den arabischen Ländern. Sender wie ARD und ZDF haben zwar ein Korrespondentennetzwerk, dies besteht aber vorweg aus deutschen Kollegen, die einen deutschen Ansatz der Geschichten zum Auftrag haben. SAP dagegen ist redaktionell global aufgestellt, dennoch haben wir einen lokalen Ansatz. Die Geschichten von unserem CNN Reporter haben eine US-Handschrift und zielen daher vorweg auf den amerikanische Markt. Mit solchen Filmen kann man in Asien nicht punkten, da hier völlig andere Sehgewohnheiten herrschen, daher produziert dort den Film unsere chinesische Kollegin, natürlich in Landessprache. Länder wie Indien bevorzugen sehr lokale Inhalte, indisch produziert. Auch dort haben wir eine entsprechende Mitarbeiterin – selbstverständlich auch TV Journalistin.

Aber wie kommen die Inhalte nun zum Zuschauer, und warum sollen angeblich Unternehmen die Inhalte bestimmen können?  Zum einen betreiben wir mit www.sap-tv.com eine eigene Videoplattform, auf der alleine in den vergangenen zwei Jahren seit Bestehen über 500.000 Videos geschaut wurden. Der Service richtet sich vor allem an Mulitplikatoren, die dann auf unserer Stockfootage Plattform www.sap.com/stockfootage Video Material in Fernsehqualität herunterladen können, und daraus ihre eigenen Inhalte erstellen. Seit Eröffnung des Portals vergangenen Juni erreichte diese Plattform über 300.000 page views, weltweit wurden über 2000 Clips in Fernsehqualität (+15.000 Fotos) heruntergeladen und von Sendern wie der BBC, CNBC, Channel News Asia, ARD, ZDF etc. in Beiträgen verarbeitet. Nicht mitgerechnet alle Filme, die Sender selbst produziert haben, nachdem sie die Geschichte auf unserem Portal gefunden haben. Darüber hinaus betreiben wir einen YouTube Channel und haben eine Kooperation mit Reuters TV (Insider), die all unsere Inhalte übernehmen.  Regelmäßig sind wir zudem mit TV Beiträgen in der wichtigsten Wirtschaftssendung auf Al Jazeera „An Kathab“ vertreten. Diese Sendung alleine erreicht über 40 Millionen Zuschauer. Noch brauchen wir für Reichweite die Hilfe von Sendern, aber sobald mehr Fernseher vernetzt sind, wird man SAP Inhalte auch bei Apple und YouTube mit eigenen Angeboten in den EPG’s sehen. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass SAP neben den externen Aktivitäten auch intern mehrere Video-Plattformen für die Mitarbeiter unterhält.

Die Erfahrung zeigt, dass die Fernsehsender aufgrund der angespannten Finanzlage sehr gerne auf gute professionell und objektiv produzierte Geschichten zurückgreifen. Dabei machen sie auch keinen Halt mehr vor Unternehmen, denn die bieten den weltweiten Content, der so manchem Anbieter fehlt. Außerdem bekommen sie bei Unternehmen die Bilder hinter den Kulissen. Mit eigenem Team können wir bei SAP unseren Vorständen bis in die privatesten Meetings folgen – mit externem TV Team kaum vorstellbar. Gleiches gilt für Drehs bei unseren Kunden, auch hier hat der SAP Journalist privilegierten Zugang – das Material gibt’s danach kostenfrei auf der Plattform – und es wird benutzt.

Wie können wir bei von einem Unternehmen produzierten Inhalten Objektivität sicherstellen wird sich jetzt sicher mancher Fragen. Wir bieten bewusst von SAP geführte  Interviews nur auf explizite Anfrage an, da sich Firmeninterviews nicht mit unserem journalistischen Anspruch decken würden. Der eigentliche Inhalt soll vom Journalisten kommen, so lässt sich Objektivität und Unabhängigkeit wahren – am Ende wesentlich glaubwürdiger für den Zuschauer, und das ist auch in unserem Interesse. Selbiges gilt für die Texte zu den Bildern, auch hier nehmen wir keinen Einfluss. Wenn wir dann doch mal ein Interview über unsere Plattform anbieten, dann ist dies von einem renommierten Journalisten geführt, der sein Material dann auch für andere Sender freigibt (ein sogenanntes Pool Interview)

Beispiele:
 
 

 

 

http://sap-tv.com/stockfootage/Events/Miscellaneous/SAP__x20Q3__x20Interview__x20L__xC3__xA9o__x20Apotheker__x20__x2D__x20deutsch—-4799/

http://sap-tv.com/stockfootage/Events/Miscellaneous/SAP__x20Q3__x20Interview__x20L__xC3__xA9o__x20Apotheker__x20__x2D__x20english—-4798/

http://sap-tv.com/stockfootage/Events/Miscellaneous/Interviews__x20L__xC3__xA9o__x20Apotheker—-5082/

Viele werden jetzt aufschreien und den Untergang des Journalismus proklamieren. Aber wer hat nicht diese Woche den DFB Spieler Heiko Westermann auf vielen deutschen Sendern gesehen – Quelle DFB TV, Michael Schumacher live in allen Programmen per Mercedes-Benz TV oder gar politische Bundesparteitage per Feed live von CDU, SPD, FDP und den anderen Parteizentralen, professionell inszeniert und ins richtige Licht gerückt –  meist ohne jegliche Einblendung „Parteien-Video“. Bei  Hauptversammlungen dagegen gibt es einen Aufschrei, wenn die Reden nur von unserer SAP Kamera übertragen werden. Am Ende sollte es dem Zuschauer überlassen werden, sich ein eigenes Bild zu machen. Die Nennung der Quelle sollte dabei oberste journalistische Priorität haben – nicht ein Vorenthalten von Information aufgrund übertriebener Berufsehre.

Am Ende reduziert es sich wieder auf „content comes first“ und „good content finds its audience“. Nur indem man die Marke mit für den Zuschauer klaren nachvollziehbaren Geschichten unterlegt, wird sie auch erlebbar. Insbesondere bei Unternehmen wie SAP geht es darum zu zeigen, wie die Lösungen den Alltag der Menschen beeinflussen und die Lebensgewohnheiten verändern. Ein abstraktes Produkt wie z.B. Software kann insbesondere durch visuell erzählte Geschichten mit Emotionen unterlegt und unterhaltsam aufbereitet werden. Dafür müssen PR Abteilungen aber künftig sehr viel redaktioneller und journalistischer arbeiten und dieselben Mechanismen nutzen, die auch für „klassische“ TV Beiträge seit jeher gelten. Das führt am Ende sicher auch dazu, dass Werbe- und Marketinggelder vermehrt in die journalistische Contenterstellung und damit in die Kommunikation fließen. Lieber fünf Minuten anspruchsvoller redaktioneller Inhalt, der kostenfrei bei einem Sender ausgestrahlt wird, anstatt einen  nur 30 sekündigen Sendeplatz  für einen Werbeclip teuer einzukaufen. Dröge PR- oder Werbeinhalte sind in der „neuen“ Zeit nicht mehr der Schlüssel zum Erfolg – egal ob ausgestrahlt durch einen Sender, YouTube oder ein Unternehmen wie SAP.

Beispiel:
SAP hilft Kranken in Afrika
Sehen Sie wie eine kleine Klinik in Südafrika die Behandlung ihrer chronisch Kranken verbessert. Das SAP Research Projekt PATH bahnt den Weg für eine effizientere medizinische Versorgung in Entwicklungsländern.

http://www.sap-tv.com/sap-hilft-kranken-in-afrika/3411

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2 Comments:
nachrichten says:

Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

Gruss
Andres

Soll ich studieren says:

Hallo, super Beitrag, der RSS Link funktioniert leider net, ansonsten top Seite!

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