Sven Herold | CEO LiveTube

Banken nachlässig bei Unterschriften

Süddeutsche Zeitung, 14.12.04

Seite 32

Banken nachlässig bei Unterschriften

fmk München – Wenn Taschendiebe das Portemonnaie mit Personalausweis und EC-Karte klauen, können sie in vielen Fällen das Konto des Bestohlenen plündern. Reporter des ARD-Magazins Plusminus erhielten in mehreren Banken Geld, als sie mit EC-Karten und Ausweisen anderer Leute am Bankschalter um Auszahlungen baten. In allen Fällen gelang es, Konten mit Beträgen bis zu 3500 Euro leer zu räumen. Oft genügte dazu die EC-Karte ohne Ausweis, in einem Fall verglich die Bankangestellte am Schalter nicht einmal die Unterschrift. Die Fotos auf den Personalausweisen zeigten Personen, die deutlich anders aussahen als der Abhebende.

Auch eine gefälschte Vollmacht half dabei, die Banken zu überlisten: Ein Kreditinstitut ließ sich durch ein selbst geschriebenes Blatt Papier bewegen, einem fremden Mann Zugriff auf das Konto einer Frau zu gewähren.

Die Bonner Kriminalpolizei ermittelt zurzeit gegen Betrüger, die elf EC-Karten gestohlen haben und damit Beträge zwischen 10 000 und 40 000 Euro abheben konnten. In Frankfurt gelang es einem Dieb vor kurzem, 20 000 Euro abzuheben, ohne dass die Filiale einen Ausweis sehen wollte. Die Banken erstatten den Schaden im allgemeinen nicht. Sie argumentieren, mit der Kontrolle von Ausweis und Unterschrift hätten sie ihre Sorgfaltspflicht erfüllt. Die Schalterangestellten hätten keine Abweichung feststellen können, schrieb eine Bank einem geprellten Kunden.

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