Sven Herold | CEO LiveTube

Fehler in Serie

S. 40, 8.04.02

Fehler in Serie

Frank Lehmkuhl; Hanno Charisius; Ulf Hannemann

Kunden klagen über gravierende Mängel bei einigen Modellreihen des Herstellers Nokia

Kurz nach dem Kauf eines Nokia-Handys, Modell 8210, traute Marcus Thorbrügge seinen Augen nicht. “Das Display schien von innen zu zerlaufen”, staunte der Jurist. In einem Shop des Mobilfunkriesen wies man den Bielefelder zurecht: Da er das mehrere Hundert Euro kostende Gerät in der Hosentasche getragen habe, sei der Druck auf die kleine Mattscheibe zu groß geworden. Erzürnt zog Thorbrügge weiter zu einer Filiale seines Vertragspartners E-Plus. Dort ließen die Mitarbeiter das Mobiltelefon ohne Murren reparieren.

Bei Anruf defekt. Thorbrügges Leiden kennt Markus Herwig von der Verbraucherzentrale Hessen zur Genüge. “Seit Sommer vergangenen Jahres trudeln bei uns zuhauf Beschwerden über defekte Nokia-Geräte und den schlechten Reparaturservice ein”, sagt er. Ein Test des ARD-Magazins “Plusminus” zeigte: Von zehn gekauften Handys des modisch kleinen 8210 waren nur vier funktionstüchtig.

Auch die Einsteiger-Handys 3310 und 3330 sowie das Edelgerät 8850 “haben zu viele Macken”, klagt Torsten Bressmer, Technischer Leiter beim Handy-Versicherer Pro Systec, der Kunden zusätzlich zur Garantie finanziellen Schutz für ihre Mobiltelefone bietet. Bressmer moniert Schäden an Displays, Akkus und Software: “Wir werden diese Geräte ab dem 1. Mai nicht mehr versichern. Ähnliches planen wir mit dem Business-Handy 6210 von Nokia.” Die Qualitätsmängel bestätigt Oliver Kohler, Fachhändler in St. Leon nahe Heidelberg: “Das 8210 ist wegen seiner anfälligen Displays eine Katastrophe. Das 3310 schaltet sich einfach mal ab oder lässt sich gar nicht ausschalten”, wettert er. “Bei diesen Geräten sind etwa 50 Prozent defekt.” Kohler rät Interessenten mittlerweile vom Kauf ab.

Nokias Dilemma hat für Kai Petzke vom Branchendienst Teltarif eine simple Ursache: “Konstruktionsfehler.” Bei vielen Geräten sei das Display nicht genügend geschützt. Software-Fehler führt er darauf zurück, “dass die Handys nicht ausreichend unter realen Bedingungen getestet wurden”.

Nokia räumt Gerätefehler beim 8210 und beim 3310 ein. Yves Loerke, Kundenmanager Deutschland, reicht den Schwarzen Peter aber an einen Zulieferer und dessen fehlerhafte Bauteile weiter. “Als wir das Problem im Februar erkannten, stoppten wir die Produktion sofort”, erklärt er. Jetzt liefere eine andere Firma die Displays. Gegenüber enttäuschten Kunden, die Handys mit Mängeln gekauft haben, wollen sich die Finnen kulant zeigen: “Über die normale Garantiefrist hinaus werden wir diese Geräte kostenlos reparieren lassen”, verspricht Loerke.

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