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In 66 Stunden um die Welt

In 66 Stunden um die Welt

Von Holger Gumprecht, 21.11.2003

Reportage über Frachtflieger: “Im Cockpit der Cargo-Könige

Es ist eine uralte, peinlich genau eingehaltene Tradition: Erst am dritten Donnerstag im November darf der Beaujolais nouveau (Primeur) ausgeschenkt werden. Die exakte Einhaltung dieses Termins ist Pflicht, dafür garantiert der französische Staat selbst. In diesem Jahr fieberten Weinkenner auf der ganzen Welt dem gestrigen Tag entgegen. Von Lyon aus wurden über 1000 Tonnen des Primeur mit Lkw zu den Flughäfen nach Frankfurt, München und Köln transportiert, von wo sie schließlich ihre Weiterreise in die USA, nach Japan, Korea und Taiwan antraten.

Damit diese populäre Weinsorte auch tatsächlich rund um den Globus entkorkt werden kann, bedarf es einer raffiniert ausgeklügelten Logistik, wie sie die Lufthansa Cargo anbietet. Der Filmjournalist Sven Herold hatte für diese neue Ausgabe von “ARD exclusiv” Gelegenheit, sich bei dem Unternehmen umzusehen. Er durfte auch mit an Bord der LH 8400, einer Fluglinie, die mit ihrem speziellen Aufgabenbereich einzigartig in der Welt ist. Diese Frachtmaschinen verlassen Frankfurt dreimal in der Woche in Richtung USA und kommen bereits 66 Stunden später aus Fernost wieder zurück an den Main. Sie transportieren alles nur Denkbare: Turbinen, riesige Mengen von Obst, Luxuslimousinen, Computerbauteile, zur Auswilderung in Kasachstan bestimmte Przewalski-Urwildpferde oder den gesamten Klangkörper der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Bei den Flugzeugen handelt es sich um Maschinen, die nahezu neunzig Tonnen Fracht an Bord nehmen können, was immerhin einem Gewicht von 900 Passagieren entspricht. Auf der 40 000 Kilometer langen Reise werden Zwischenstopps in Nordamerika, auf Hawaii, in Neuseeland, Australien, Malaysia, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingelegt, wobei jeweils eine neue Crew den Flieger übernimmt.

Für das Unternehmen ist der Flug LH 8400 eine ganz besondere logistische Herausforderung. Denn die Route durch mehrere Zeitund Klimazonen ist auf die Minute genau verplant, selbst geringe Abweichungen würden sich am Ende zu finanziellen Verlusten auftürmen, etwa bei schnell verderbender Ware oder wenn extrem gefährliche Güter zur Fracht gehören, auf die am Ankunftsort bereits andere Transportunternehmen warten. Sven Herold konnte bei seiner Mitreise erleben, unter welchem Druck zuweilen die “Cargo-Könige”, vor allem in exotischen Ländern, ihren Job erledigen müssen, dort, wo sich unbedingte Pünktlichkeit noch nicht als Tugend hat durchsetzen können.

Freitag 21.45 ARD

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